Über Edit

Komplizierter Spaß seit 1993, hellwach, seltsam, einzigartig: Edit ist eine deutschsprachige Literaturzeitschrift, bei der sich dreimal im Jahr Neues entdecken lässt. Namen oder Kategorien sind dabei weniger wichtig als der individuelle Umgang mit den bewährten Möglichkeiten oder den Grenzen von Literatur – sollte es die geben.

 

Die Redaktion setzt sich, neben deutschsprachiger Lyrik und Prosa, auch für dramatische Formen, Erstübersetzungen und insbesondere für literarische Essays ein. 2012 wurde eigens ein Essaypreis etabliert, der jährlich ausgeschrieben wird.

 

Edit fand in vielen wichtigen Pressemedien Beachtung und wurde 2002 mit dem Calwer Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, nebst Laudatio des Literaturkritikers Denis Scheck.

 

Herausgeber ist der gemeinnützige Literaturverein Edit e.V., der am 4. November 1993 in Leipzig gegründet wurde und sich seither der Förderung junger, deutschsprachiger Literatur widmet. Hervorgegangen ist er aus der Lesereihe Seitentriebe und bis heute gehört die Organisation von Lesungen zu seinen Hauptaufgaben.

 

Der Literaturverein wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Kulturamt der Stadt Leipzig und dem Kuratorium Haus des Buches e.V.

 

Mediadaten

 

Edit – Papier für neue Texte
ISSN 0943-8645

Jede Ausgabe verfügt über einen umfangreichen Anzeigenteil. Sollten Sie Interesse daran haben, in Edit zu werben, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf – am besten per E-Mail:

Redaktion@editonline.de

Unsere nächste Ausgabe erscheint im Dezember 2014.
Anzeigenschluss ist am 1. November 2014.

 

Auflage
1.900 Exemplare

Verbreitungsgebiet
Deutschland, Österreich, Schweiz

Vertrieb
Buchhandel, Bahnhofsbuchhandel,
Abonnement, Direktverkauf

Erscheinungsweise
dreimal jährlich: März, Juli, November

Heftformat
150 mm x 225 mm, Offset, s/w, gebunden

Druckvorlagen
PDF oder Tiff

Rabatt
für drei Insertionen in Folge: 15%
für sechs Insertionen in Folge: 25%

Anzeigenpreise
Anzeige 1/1 (ganze Seite) – 250,00 Euro
Anzeige 1/2 (halbe Seite) – 150,00 Euro
Alle Preise ohne Umsatzsteuerausweis (nach §19 UStG)

Wir platzieren auch gerne Einleger im Heft –
den Preis errechnen wir auf Anfrage.

(Stand: 21. Oktober 2013)

Redaktion

Jörn Dege, geboren 1982 im oberschwäbischen Bad Saulgau. 2008 Abschluss eines Mathematik- und Philosophiestudiums an der Berliner Humboldt-Universität. Danach Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Stipendiat des 14. Klagenfurter Literaturkurses. Arbeiten für die Wochenzeitung »der Freitag«, als Lehrbeauftragter am Deutschen Literaturinstitut sowie Leiter literarischer Werkstätten und Fortbildungen. Mitinitiator der Leipziger Veranstaltungsreihe »Volte«. Bei Edit seit 2010. Seit Beginn 2014 Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts.

Mathias Zeiske, geboren 1981 in Magdeburg, hat in Leipzig Linguistik, Soziologie und Kommunikationswissenschaft studiert. Er war als Mitbetreiber des Leipziger Kunstraums D21, als internationaler Knochenmark-Kurier und als Gestalter tätig. Neben seiner Arbeit als geschäftsführender Redakteur von Edit arbeitet er wissenschaftlich im Bereich Spracherwerbsforschung.

 

Redaktionelle Mitarbeit

Daniel Graf studierte Neuere deutsche Literatur, Linguistik und Musikwissenschaft in Tübingen, Wien und Leipzig. Promotion über die Lyrik Ingeborg Bachmanns. Musik- und Literaturkritik für verschiedene Print- und Onlineorgane. Von Mai 2010 bis Juli 2011 im Lektorat des Berlin Verlags, seither freier Lektor, u. a. für den Rowohlt Verlag. www.danielgraf.net

Judith Keller wurde 1985 in Lachen/Schweiz geboren. Sie studierte zunächst zwei Semester Germanistik in Zürich. Nach der Eröffnung des schweizerischen Literaturinstituts in Biel studierte sie dort Literarisches Schreiben und wechselte im Oktober 2007 an das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Sie studiert jetzt Deutsch als Fremdsprache an der FU in Berlin, wo sie auch lebt. Sie war Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2008 und Finalistin beim 18. Open Mike.

Wolfram Lotz, geboren 1981 in Hamburg, aufgewachsen in Bad Rippoldsau im Schwarzwald. Nach seinem Studium der Literatur-, Kunst und Medienwissenschaft in Konstanz studiert er seit 2007 Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er war Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift „Minima”. Für seine literarischen Arbeiten erhielt er unter anderem den Literaturpreis der österreichischen Stadt Steyr, den Werkauftrag und den Publikumspreis des Theatertreffen-Stückemarkts, den Kleist-Förderpreis für junge Dramatik sowie den BDI-Dramatikerpreis. Er ist Mitglied der „Vereinigung 1. Februar”.

Kerstin Preiwuß, 1980 in Lübz (Meckl.) geboren, aufgewachsen in Plau am See und Rostock, lebt in Leipzig. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Psychologie in Leipzig und Aix-en-Provence und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2006 erschien ihr Lyrikdebüt „Nachricht von neuen Sternen“ in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Ihr nächster Gedichtband „Rede“ erscheint 2012 im Suhrkamp Verlag. Sie erhielt 2008 das Hermann-Lenz-Stipendium, ein Aufenthaltsstipendium des Künstlerhaus Lukas in Reykjavík für 2009 sowie ein Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds für 2010. 2011 ist sie Stipendiatin der Künstlerresidenz Edenkoben.

 

Gestaltung

David Voss ist diplomierter Grafikdesigner und Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Derzeit führt er sein eigenes Büro mit dem Schwerpunkt Konzeption und Gestaltung in den Bereichen Kunst, Kultur und Architektur in Leipzig. Parallel ist David Voss an verschiedenen Hochschulen in die Lehre involviert. Zuvor arbeitete er für Designstudios in New York, Berlin und München. Die Arbeiten von David Voss wurden mehrfach national und international ausgezeichnet.

 

Ehemalige Herausgeber

Hannes Becker, Jan Kuhlbrodt, Ulrike Almut Sandig, Patrick Hutsch, Miriam Bosse, Sünje Lewejohann, Franziska Gerstenberg, Jaroslaw Piwowarski, Tom Kraushaar, Jana Hensel, Jo Lendle, Tobias Hülswitt, Jörg Schieke, Peter Geist, Thomas Kunst und Jörg Albinsky (bestimmt unvollständig – wird fortgesetzt)

Gründungsherausgeberin: Katrin McClean (ehemals Dorn)

Denis Scheck

Laudatio zur Verleihung des Calwer Hermann-Hesse-Preises an Edit

Liebe Hermann-Hesse-Preisträger aus der Edit-Redaktion, meine sehr verehrten Damen und Herren,

“aus dem Chaos neuer Namen, neuer Sprachen, neuer Grammatiken und Kunstforderungen” meldete sich Hermann Hesse im April 1920 in “Vivos voco” zu Wort. Hand aufs Herz, die allermeisten von uns wissen heute nicht mehr, was “Vivos voco” war, wofür diese Zeitschrift einmal stand, welche Hoffnungen 1919 zu ihrer Gründung, weiche okönomischen Zwänge oder ernüchternden Erfahrungen mit den Beiträgern 1921 zu ihrer Einstellung führten, welche Hochzeiten, Mittelmaßphasen und Tiefpunkte einzelne Ausgaben markierten, welchen Kurs sie hielt oder zu halten versuchte, welche Talente sie entdeckte und förderte, welchen Autoren sie eher zu schaden trachtete, schließlich auch, weiche innerredaktionellen Kontroversen, Debatten und Rankünen sich bei “Vivos voco” abspielten. Selbst der Name der monatlich erscheinenden Zeitschrift, die Hesse zusammen mit Richard Woltereck aus der Taufe gehoben hatte, muß heute obskur erscheinen, weil die selbstverständliche und mühelose Beherrschung von Latein unter Gebildeten nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Keine Angst, ich will hier kein memento mori für Zeitschriftenherausgeber malen, aber solche Timetunnel-Experimente sind notwenig, um sich Klarheit über die Frage zu verschaffen, was eine Literaturzeitschrift im lnternetzeitalter leisten kann und soll.

An dieser Stelle mag ein weiterer kleiner Exkurs reizvoll sein, eine zweite kleine Zeitreise, diesmal in eine zukünftige Welt, in der das Englische seine Rolle als neue lingua franca womöglich an eine andere Sprache abgegeben hat, ans Chinesische, Portugiesische oder ans Urdu vielleicht, und der Name der heute zu preisenden Zeitschrift somit nicht mehr den selbstverständlichen Doppelklang von “Edit” und “ädit” auslöste. “Edit”, “ädit” wird jedem deutschen Literaturinteressierten in schöner Janusköpfigkeit zum Prüfstein seiner inneren Amerikanisierung. Will man in intimer Vornamenvertrautheit und so ganz ohne Sinn von der deutschen Edit sprechen oder lieber doch von “ädit”, was die dort sorgfältig und klug betriebenen Tätigkeiten des Lektorierens, Herausgebens und Veröffentlichens klar benennt, allerdings um den Preis, daß der die Zeitschrift so Bezeichnende sich im sprachlichen Gewand eines jener”content manager” präsentiert, die im Moment in deutschen Verlagshäusern den “turnaround” in Richtung 10-Prozent-Renditen versuchen und dabei aufs Outsourcen und Downsizen nicht verzichten können? Good luck, möchte man da sagen.

Rasen wir auf der Zeitautobahn an der Ausfahrt Gegenwart vorbei gleich noch einmal zurück in die Vergangenheit von “Vivos voco”, finden wir eine weitere verblüffende Parallele zur “Edit” von heute. “Vivos voco” gab als Erscheinungsorte nämlich Bern und Leipzig an, die Stadt der “Edit” also, ädittown: hier hat 1993 die Schriftstellerin Katrin Dorn jenes Forum der deutschen Gegenwartsliteratur gegründet, das heute mit dem Hermann Hesse Preis ausgezeichnet wird. Versuchen wir einmal das, was im Film eine Überblendung heißt, legen wir zwei Bilder übereinander und lassen den eingangs zitierten Hesse in seiner selbstgegründeten Zeitschrift 1920 “aus dem Chaos neuer Namen, neuer Sprachen, neuer Grammatiken und Kunstforderungen” sprechen

“Hier ist alles Stammeln”, schreibt Hesse, “alles Auflösung und Neubeginn, es gibt keine Formen und Grenzen mehr, daher ist es für den Bürger einfacher, über dies alles zu lachen und es verrückt zu finden. Diese jungen Dichtungen mit den alten zu vergleichen ist unsinnig, von ihrer wilden Sprache Maß und Adel verlangen, ist lächerlich. Möglich, daß alle diese Werke wieder untergehen, daß nicht eines davon diese Zeit überlebt. Es handelt sich aber nicht um Werke, sondern darum, daß sie der Ausdruck unserer Jugend sind, einer Jugend, die aus allen Träumen und Ahnungslosigkeiten ihres ersten Frühlings in den Krieg gerissen wurde, trunken von Angst, trunken von Blut, wild vor dem schauerlichen Eingesperrtsein in Dienst und sinnloses Tun, Tag und Nacht dem Tod gegenüber, dem Schmutz gegenüber, dem Ekel gegenüber, vom Unteroffizier und Leutnant gar nicht zu reden.”

Ließe sich hieraus, aus Hesses Worten, etwa auch die Stimme Katrin Dorns von 1993 hören? Sicher nicht, was Krieg, Schützengraben und Bluttrunkenheit angeht. Aber lag nicht eben doch eine Phase “schauerlichen Eingesperrtseins in Dienst und sinnloses Tun” hinter vielen der späteren Editautoren, jedenfalls soweit sie aus der ehemaligen DDR stammten? Wiewohl man sich hüten sollte, im Abstand von weniger als mindestens 20, 30 Jahren mit der schönen Epochengewißheit des Literaturhistorikers aufzutreten, darf konstatiert werden, daß die Folgen des Epochenwandels von 1989 bislang keine weitgehend bestimmende Stilrichtung hervorriefen, keine an Durchschlagskraft und Attraktion dem Phänomen Expressionismus vergleichbare Bewegung, die Hesse 1920 bemerkenswert luzide in jenem Vivos voco Artikel über einige neue Bücher von Autoren wie Richard Huelsenbeck zu charakterisieren versuchte. Was aber dann?

Eine Vielzahl unterschiedlichster Schreibweisen, claims im literarischen Feld, die zu vermessen sich seit 1993 die im Rotationsprinzip wechselnden Herausgeber der “Edit” nach Katrin Dorn unternahmen – Jana Hensel und Jo Lendle, Jörg Schieke, Tobias Hülswitt, Miriam Bosse und Tom Kraushaar und seit neuestem Jaroslaw Piwowarski und Franziska Gerstenberg. Was hier gelang, ist im Grunde nur zu würdigen, wenn man nach der Zeitreise die Gegenprobe der Alternativ- oder Parallelwelt macht. wie sähe die literarische Landschaft, das literarische Leben aus ohne “Edit” oder mit einer anderen “Edit”, einer Zeitschrift also, die sich statt des luftigen Gewands der für alles und jeden offenen “Entdeckerzeitschrift” für neue deutsche Literatur in ein engeres programmatisches Korsett gezwängt hätte? Die sich etwa ausschließlich als Organ der im Leipziger Literaturinstitut Studierenden verstanden hätte? Oder als Speerspitze der Popliteratur, was immer das sein mag? Als Plattform verkaufsträchtiger neuer deutscher Erzählerseligkeit, als Lanze ostdeutscher Ressentimentnostalgie oder als Forum westdeutscher Kultur-Conquistadores? Ja, schlimmste aller Möglichkeiten, als nach oben und unten hermetisch abgeschottetes “Generationenblättle” – die bei dieser Schreckvorstellung evozierten Emotionen erlauben einen Rückfall ins Schwäbisch-Konkrete -, als “Generationenblättle” also, das ein langweiliges Wir-gegen-die-Spiel propagiert, junge Hüpfer gegen alte Säcke, und in kaum verhülltem Sozialdarwinismus Ausgrenzung qua Geburtsjahr vornimmt.

Dies alles ist Edit nicht und drohte es nie zu werden. Statt dessen hat man sich Arno Schmidts Diktum aus den 50er Jahren zu eigen gemacht, wonach es gleichgültig sei, ob ein Dichter Stalin oder die Jungfrau Maria besinge, Hauptsache, es werde gut gesungen. Natürlich liegt bei einer Zeitschrift, die Neues entdecken will, der Schwerpunkt auf jungen Autoren. Doch wenn man auch nur einige wenige der Namen Revue passieren läßt, die in 28 Ausgaben von Edit präsentiert wurden – Marcel Beyer und Sibylle Berg etwa, Antje Ravic Strubel und Jenny Erpenbeck, Julia Franck und Franzobel, Adolf Endler, Elke Naters und Kathrin Röggla, Julia Schoch und Raphaei Urweider, Leander Scholz und Ze de Rock -, dann wird deutlich, daß hier ein vor jedem beliebigen Ausschlußkriterium wie Alter, Nationalität oder einer einäugigen Gruppenästhetik gefeiter Pluralismus zum Ausdruck kommt, den es so

in der Landschaft der deutschsprachigen literarischen Zeitschriften noch nie gab. Der Literaturkritiker Michael Braun brachte dies einmal auf die Formel: “Über beide Schriftstellertypen in der jungen Literatur: den formulierungsflinken, kommunikationshungrigen und modebewussten Pop-Autor einerseits, und den sich unablässig zergrübelnden, an der Grenze zum Wahrnehmungsverlust entlangschreibenden Sprachskeptiker andererseits erhalten wir in der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT zuverlässige Auskunft. … Über den Stolz und die Fron, ein Schriftsteller deutscher Sprache zu sein, wird wohl nirgendwo so produktiv gestritten wie in der EDIT. “

Möglich gemacht haben dies der Literaturverein Edit mit seinen etwa 50 fördernden Mitgliedern, auch die wichtigen Zuwendungen des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie die des Kulturamtes der Stadt Leipzig, möglich gemacht hat es aber vor allem das Engagement einer Herausgeberriege, die ihr eigenes Leben mit Literatur verbunden haben und dies mit einer Unbedingtheit, die der positiven Obsession angehender Fußballprofis, Berufsmusiker oder Schauspieler in nichts nachsteht.

Es ist dieses Nachglühen einer authentischen Passion, die jede neue Ausgabe der “Edit” zum Ereignis macht für jene, die sich für ihren Gegenstand zu begeistern wissen. Wer je dem müden, scheinbar viele hundert Millionen Jahre alten Blick der Chefredakteure anderer Medien standhalten mußte, ein Blick, unter dem jede neue Idee sogleich zur Illustration der ewigen Wiederkehr des Gleichen zusammenschnurrt, ein Blick, der Äonen von Moden und Wellen gesehen haben muß und in allem Innovativen lediglich die neueste Manifestation des Altbekannten und Wohlabgehangenen zu erkennen glaubt, der wird die pfiffige Aufgewecktheit, das muntere Blitzen in den Augen des Edit-Teams zu schätzen wissen. In dieser hellwachen Aufmerksamkeit liegt auch das Geheimnis begründet, warum so viele der genannten Herausgeber, sei es als Autoren, sei es als Lektoren oder Kritiker, sich anschicken zu nicht unbedeutenden Karrieren in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Mit anderen Worten: hoch lebe das Rotationsprinzip!

Das gezeichnete Portrait der “Edit” als ein Schaukasten deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, als ein Ort für Entdeckungen in Prosa und Lyrik wäre nicht komplett, verschwiege man, daß “Edit” auch zu den spannendsten Foren der Literaturkritik und Essayistik zählt. Ich sage dies mit einer gewissen Beklommenheit, denn hier gilt es eine vorsichtige, aber deutliche Distanzierung zum Namensgeber des heute verliehen Preises vorzunehmen.

“Jedes verneinende, tadelnde Urteil, wenn es als Beobachtung noch so richtig ist, wird falsch, sobald man es äußerst”, so Hermann Hesse. “Das Feststellen von “Fehlern”, und klinge es noch so fein und geistig, ist nicht Urteil, sondern Klatsch.” Hier irrt Hesse. Das Feststellen von Fehlern, ästhethischen Mängeln, Unsauberkeiten in der Konstruktion ist nun einmal die unabdingbare Geschäftsgrundlage aller Literaturkritik, Voraussetzung einer Analyse der Schwächen und Stärken eines Textes, und beschränkt man sich, wie Hesse selbst, ausschließlich auf Lob, Ermutigung und stets bejahende Urteile, so kündigt man einen stillschweigenden Pakt zwischen dem Leser einer Kritik und ihrem Verfasser – und erweist der Literatur selbst letztlich einen Bärendienst. Allerdings gehört dazu Mut. Die “Edit” besitzt diesen Mut und beweist ihn Ausgabe um Ausgabe in ungewöhnlichem Maß, indem sich in ihr neben wichtigen und richtungsweisenden Essays auch Kritiken zur aktuellen Produktion finden – und in diesen langen und souverän argumentieren Kritiken geht es keineswegs zimperlich zu. Es spricht sowohl für die Beredheit wie auch für die Unbestechlichkeit der

Herausgeber, daß es dennoch immer wieder gelingt, auch durchaus namhafte Autoren zur Mitarbeit zu bewegen – ein kaum zu unterschätzendes Kunststück, gleicht es es doch dem Versuch, jemandem zum Essen in ein Haus einzuladen, dessen im hinteren Teil gelegene Küche vor kannibalischen Obergriffen auf die Gäste nicht zurückschreckt. “Edit” scheint es in dieser Beziehung eher mit Ernst Jünger zu halten, der in “Autor und Autorschaft” schrieb: “Warum klagen so viele, daß sie unterschätzt werden? Schlimmer ist doch das Gegenteil.”

Wenn also ein Heros der Literaturkritik wie Joachim Kaiser unlängst in Interview “eine Abkehr von der Hochkultur” in deutschen Redaktionen feststellte und dies damit begründete, diese jungen Leute seien “gespenstisch wertblind, amusisch und banausenhafenhaft”, dann sollte ihm einmal jemand eine Ausgabe der “Edit” in die Hand drücken.

Überhaupt ist “Edit” ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die mit dem kulturkritischen Passepartout ‘Früher war besser’ ihrer Verrentung entgegendämmern und ihre Nichtbeachtung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur rechtfertigen wollen. Wann bitteschön war das Niveau denn höher als heute? Etwa in jenen Sloterdijkschen “beispiellos finsteren Jahre” der Adenauerära, während der 68er-Zeit mit ihrer ausgeprägten Kultur des Zuhörens, ihrer Toleranz und ihrer Affinität zur Differenz im geistigen Feld, wie sie Theodor W. Adorno selig noch erleben durfte, oder vielleicht doch in jenem goldenen Dezennium deutschen Geisteslebens, den 70er Jahren, wo Schwule und Lesben noch waren, “wo sie hingehörten”, wahrhaft weitläufige Intellektuelle wie Luise Rinser und Gerhard Zwerenz das Bild bestimmten und wo Arno Schmidt in der Frankfurter Paulskirche mit weisen Worten den Arbeitern die Freude der Arbeit näherzubringen versuchte (leider konnte er das nicht selbst tun, er mußte schließlich arbeiten und schickte deshalb seine Frau in die Paulskirche, die hatte nichts Besseres zu tun, zu Hause erwartete sie nämlich nur das von Arno Schmidt eigenhändig gebastelte Bügelbrett mit Holzaufsatz zum Vokabellernen).

Nein, freuen wir uns an unserer Gegenwart, freuen wir uns so, wie sich Hermann Hesse an seiner Gegenwart freute, sein Artikel von 1920 in “Vivos voco” endet mit dem Satz: “Gerade diese Dichter aber sind es, die unsere Zeit braucht, auch wenn sie vielleicht diese Zeit nicht überdauern.” Inwiefern sich dies auf die Gegenwart übertragen läßt, können wir im Anschluß nun hören in einer kleinen Collage aus programmatischen Editorials der “Edit”, gelesen von Hubertus Gerzen, die einen Eindruck von der ästhetischen Bandbreite der Stile und Schreibweisen in Edit abbilden. Freuen wir uns darauf, freuen wir uns aber auch ,wenigstens dreimal im Jahr auf die neue “Edit”, und freuen wir uns nun mit den Edit-Herausgebern über den Hermann Hesse Preis 2002. Ad multos annos!

Ausgewählte Pressestimmen

„Leipzig-based design studio Bureau David Voss has collaborated with Pia Christmann on the last three editions of literature magazine Edit, which has featured new German fiction since 1993. Having designed the magazine since its 50th issue in 2009, Bureau David Voss has an impressive back catalogue of covers, each a typographic and visual development from the last. Shifting between abstract, playful layouts and more traditional but nonetheless interesting magazine covers, its manifesto for new work is reflected visually in Bureau David Voss’ evolving identity, continually adapting to the contents of each edition.“ It’s Nice That

„Superliteraturzeitschrift“ Jan Drees

„Von der re­daktionellen Auswahl der Texte über die Typografie bis zur Auswahl des Papiers merkt man, dass hier höchste Professiona­lität und ebenso hoher Anspruch im Spiel sind. Eigentlich unglaublich, aber die neue Edit riecht sogar besonders gut. So viel Perfektion ist fast unheimlich, vor allem aber ist sie eine große Freude.“ Jana Volkmann, Buchkultur

„Manchmal agiert man glücklos und verpasst selbst den letzten Bummelzug, dann wieder gelingt alles, als wäre man mit der Magie im Bunde. So eine Zeit erlebt gegenwärtig die Leipziger Edit, und natürlich verdankt sie das nicht der Zaubermacht der Redakteure Jörn Dege und Mathias Zeiske, sondern deren Ingenium – und dem guten Ruf der Zeitschrift, die sich, wie die Ausgaben 60 und 61 zeigen, vor tollen Texten kaum retten kann. […] Kein Zweifel: Edit wurde von der Muse geküsst.“ Andreas Heckmann, Am Erker Zeitschriftenschau 65

„When I think about the kind of heavy lifting I hope to see (…), I think of the German literary magazine Edit. There are few magazines that explore particular veins of literary development as well as Edit. Making a good literary magazine is hard. (…) it’s not just Edit‘s focused development of literary themes that I would like to see in more new magazines. It’s also their lack of arrogance. There’s a sense of exploration and openness, not of declaration or empire-building.“
Amanda DeMarco, Readux.net

„In Leipzig erscheint seit 1993 eine ganz hervorragende Literaturzeitschrift: Edit – Papier für neue Texte heißt sie.“
September 2012, Bayerischer Rundfunk

“Der Leser bekommt ein sorgsam komponiertes Heft mit wirklich schönen Texten von professionellen Autoren vorgesetzt […] Was wir gelernt haben: Den Unterschied zwischen Geschreibsel und hochwertiger Literatur.
Juli 2011, Süddeutsche Zeitung: jetzt.de

“(…) die Leipziger Zeitschrift „Edit“, das „Papier für junge Texte“, [müht sich] immer wieder um eine Standortbeschreibung der aller­jüngsten Gegen­warts­literatur.”
Juni 2011, Saarländischer Rundfunk

“Im Windschatten des literarischen Mainstreams entsteht eine neue Avantgarde, die den Abgesängen auf ästhetische Innovation diskursfreudig trotzt. Sie formiert sich in jungen Verlagen wie luxbooks und kookbooks, in Zeitschriften wie Edit und BELLA triste und bildet multiple Produktions- wie Projektgemeinschaften.”
Sonja Vanderath, Literaturreferentin der Stadt
Frankfurt am Main, Mai 2011

“(…) heutzutage heißen Kulturzeitschriften lieber BELLA triste, Kultur & Gespenster, Edit oder 032c.”
November 2009, Die ZEIT

“Kreative Austauschbewegungen: Edit macht noch mehr Hoffnung.”
September 2006, Goethe-Institut

“Eine echte Entdeckerzeitschrift”
April 2006, Süddeutsche Zeitung: jetzt.de

“Verlage, Agenten oder auch die Abonnenten, darunter die Harvard University, wissen schon lange: Bei EDIT erhalten sie dreimal im Jahr einen Einblick in die Werkstatt junger Autoren. Wer hier veröffentlicht, aus dem wird oft was. […] Wer dem Phänomen der wundersamen Literaturvermehrung der vergangenen Jahre auf der Spur ist, muss EDIT berücksichtigen.”
Juli 2002, Stuttgarter Zeitung

“Leipziger EDIT entdeckt unbeschriebene Blätter. Literaturzeitschrift geht mit neuem Team und Hesse-Preis in die Zukunft.”
Juni 2002, Leipziger Volkszeitung

“Als literarisch einfallsreichstes und ästhetisch neugierigstes Periodikum innerhalb der jungen Zeitschriftenszene darf weiterhin die in Leipzig erscheinende EDIT gelten […]”
Juni 2002, Saarländischer Rundfunk

“Durch das aktuelle Heft des Leipziger “Papiers für neue Texte” weht schon durch die offenen Altersgrenzen ein erfrischenderes Lüftchen […] – ohne den Schwerpunkt junge Literatur aufzugeben. Neben Hesse-Lektüren von Tim Staffel, Katharina Hacker, Nadja Einzmann und Jochen Schmidt findet man essayistische Rezensionen zu Marcel Beyer, Jochen Missfeldt, Leander Scholz und Monika “Mona” Rinck. Ohne diese Durchlässigkeit zwischen den Generationen kann es keine Literatur geben – wenn man nicht Rebellion im Sinn hat.”
Mai 2002, Der Tagesspiegel

“Der in Leipzig herausgegebenen Literaturzeitschrift EDIT, seit Jahren ein wichtiges Forum neuer Literatur, wird im Sommer verdientermassen der Hermann-Hesse-Preis verliehen.”
Mai 2002, Frankfurter Allgemeine Zeitung

“Die junge Zeitschrift hat dabei schon vieles entdeckt und vorabgedruckt, was dann eine Saison später zwischen Buchdeckeln Aufmerksamkeit und Anerkennung fand. Sehr zu recht erhält die EDIT deshalb in diesem Jahr den mit 15.000 Euro dotierten Hermann-Hesse-Förderpreis für Literaturzeitschriften.”
Mai 2002, Süddeutsche Zeitung

“Im neunten Jahr ihres Bestehens gehört EDIT zu den wichtigsten Foren für junge deutschsprachige Autoren und wird als solches gerade von Verlegern, Lektoren und Literaturagenten sehr genau wahrgenommen. Kluge Essays, Interviews und ausführliche Rezensionen wichtiger Neuerscheinungen stehen neben (noch) unveröffentlichter Prosa.”
Februar 2002, Börsenblatt

“Forum der Gegenwart”
Ein Portrait der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT.
Oktober 2001, Deutschlandfunk

“…EDIT, die zweifellos bedeutendste Probebühne für literarische Talente und junge Autoren.”
Juli 2001, Basler Zeitung

“Über beide Schriftstellertypen in der jungen Literatur: den formulierungsflinken, kommunikationshungrigen und modebewussten Pop-Autor einerseits, und den sich unablässig zergrübelnden, an der Grenze zum Wahrnehmungsverlust entlangschreibenden Sprachskeptiker andererseits erhalten wir in der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT zuverlässige Auskunft. […] Über den Stolz und die Fron, ein Schriftsteller deutscher Sprache zu sein, wird wohl nirgendwo so produktiv gestritten wie in der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT. ”
Juli 2001, Deutschlandfunk

“Auch sonst ist in EDIT immer mal mit dem Impuls zu rechnen, in der Literaturszene kleine, überraschende Coups zu landen.[…]
Wer also immer schon mal wissen wollte, woher all die Namen kommen, die vor drei Jahren noch niemand kannte, nun aber die Literaturbeilagen füllen, der sollte schon mal einen Blick in die EDIT werfen.”
Februar 2001, die tageszeitung

“Ein festes Programm hat EDIT so wenig im Blick wie bestimmte Genres – auch wenn die Prosa überwiegt. Aber all das spiegelt in seiner Offenheit nur die unendlichen Weiten der jungen Literatur zwischen Pop und intellektuellen Klimmzügen: Die Jahrgangnähe ist oft das einzige verbindende. EDIT legt höchsten Wert auf die Ernsthaftigkeit des eigenen Schreibens.”
Januar 2001, Der Tagesspiegel

“Wer aber über die rasanten Veränderungen auf dem Terrain der Gegenwartsliteratur auf dem Laufenden bleiben will, der muss zur Leipziger Literaturzeitschrift EDIT greifen”
2000, Deutschlandradio

“Man möchte das Fenster aufreißen, frische Luft hereinlassen und jenen eingeführten politisch-literarischen Periodika Abbitte leisten, denen das Glück enthusiastischer Leserscharen auch nicht immer hold ist: “Lettre International”, “Merkur”, “Kursbuch”, Sinn und Form”, “Akzente”, “Neue Rundschau”, “Text+Kritik”, EDIT, “Hundspost”, “Moosbrand”, “Schreibheft” und andere Exotica des Geisteslebens.”
2000, Der Spiegel zum ersten Heft von Sigrid Löfflers “Literaturen”

“Gezündet hat der Funke aber schon in EDIT selbst, die der gleichnamige Literaturverein drei mal im Jahr herausgibt. Die Prosaproben und Versversuche diesmal etwa von Mirko Bonné, Jörg Jacob oder Dieter M. Gräf müssen sich des Papiers nicht schämen, auf dem sie altbacken zu stehen kommen. Das “Papier für neue Texte”, wie die gut gemachte Zeitschrift im Untertitel heißt, muss die Löschtaste nicht fürchten.”
2000, Frankfurter Allgemeine Zeitung

“Während es in Dresden in Sachen Literaturzeitschriften heute vergleichsweise ruhig geworden ist, verfügt Leipzig erneut über eine schillernde und sich beständig wandelnde Szene. Ansporn für die Neubegründung vieler Publikationen ist dabei die seit 1993 existierende Literaturzeitschrift EDIT, das Zugpferd der Branche… Daß das Konzept der Förderung junger Talente aufgeht, zeigt nicht zuletzt die lange Abonnentenliste, auf der neben namhaften Agenten und Verlagslektoren selbst die Harvard University und das Museum of Modern Art nicht fehlen.”
2000, MehrWert

“Als Forum für lebensnotwendige Texte, kleine Entdeckungen und lesenswerte Essays wird die EDIT immer wichtiger.”
2000, Leipziger Volkszeitung

“Die Leipziger Literaturzeitschrift EDIT hat sich mittlerweile als verlässlichster Seismograph in Sachen junger Literatur profiliert.”
2000, Saarländischer Rundfunk

“Man ist aus dem ostdeutschen Schatten herausgetreten und widmet sich mit Erfolg der gesamtdeutschen Literatur.”
1999, Saarländischer Rundfunk

“Diesem sehr schwermütigen Sound … stellt die Leipziger Literaturzeitschrift EDIT eine hellwache Neugier auf die unmittelbare Gegenwart und einen emphatischen Blick auf das literarisch Neue gegenüber.”
1999, Saarländischer Rundfunk

“Das Heft hat sich über die Jahre zu einer schicken Zeitschrift gemausert, luftig gesetzt, zwischendurch hin und wieder ein schönes, beinahe leeres Foto. EDIT ist kultiviert.”
1999, Das Magazin

“EDIT Papier für neue Texte nennt sich die in Leipzig erscheinende Zeitschrift in pragmatischer Untertreibung. Denn das Angebot der Beiträge ist erfreulich. Und empfehlenswert. Autorinnen und Autoren, die jederzeit das Zeug zum Durchbruch hätten.”
1999, Buchkultur

“Es gelingt den Herausgebern, eine bunte Vielfalt zu präsentieren, die erquickliche Angebote bietet. Leipzig hat ja eine wunderbare Buchmesse. Möglicherweise ein gutes Klima, zumindest das Heft vermittelt sowas wie Bewegung und Nase-im-Wind. Gelungen.”
1997, Buchkultur

“EDIT glaubt unverbrüchlich an die Lebendigkeit der Gegenwartsliteratur.”
1996, Frankfurter Allgemeine Zeitung

“Die in Leipzig dreimal im Jahr erscheinende Literaturzeitschrift EDIT liegt nun bereits in ihrer zehnten Ausgabe vor, ihre Existenz hat sich aber noch nicht gebührend herumgesprochen, obgleich sie dank ihrer niveaubewußten Offenheit eine beachtliche Ergänzung der führenden Literaturzeitschriften darstellt.”
1996, Basler Zeitung