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Edit 63

112 Seiten, Winter 2013/14

 

 

Edit Essaypreis 2013

 

Dossier Konzeptuelles Schreiben

 

 




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Editorial Edit 63

 

So unterschiedlich die Skandale dieser Tage in der Sache auch sind, sie entzünden sich alle an der plötzlich aufgehobenen Diskrepanz zwischen den PR-Oberflächen gepflegter Vorderansichten und dem dreckigen Leben dahinter. „Wo man hinspuckt, keimt es“, könnte man da mit Walter Faber feststellen und sich im Ekel abwenden – oder man schaut mit Freude genauer hin. Denn wenn etwas die Perspektive grundsätzlich verändern kann, dann eine mit Nachdruck aufgehobene Täuschung. Wenn wir mit dem Kahn an die hübsch bemalte Außenwand unserer Welt stoßen, ist eine echte Horizonterweiterung kaum vermeidbar.

Auch in dieser Ausgabe ist nicht alles, wie es scheint, und das ist, literarisch gesehen, auch gut so. Umweltpolitisch engagierten Nachwuchs stellt sich das Bundesministerium für politische Bildung sicher anders vor, als er in Janko Markleins Roman „Wir machen das“ geschildert wird. Von der scheinbar leicht verträglichen Erzählprosa bleibt dabei ebenso wenig übrig, wie von den hehren Zielen der „Ortsgruppe Grüne Jugend Wulsbüttel-Osterholz“ – zumindest wenn sie mit dem unterkühlten Blick des Protagonisten betrachtet werden.

Auf Enttäuschungen anderer Art muss man bei einer Begegnung mit Claude Lanzmann gefasst sein. Wie grandios ein Interview mit dem vielfach ausgezeichneten „Shoah“-Regisseur scheitern kann und wie daraus literarischer Journalismus wird, zeigt Anne Waak in ihrem Reisebericht. Dieser findet sich auch auf waahr.de, einem Online-Archiv für journalistische Texte, die mehr sind als kurzlebige Einwegprodukte.

Von der Freude an kollektiver Selbsttäuschung erzählt Pascal Richmann, der ein Trucker-Festival in Geiselwind (Germany) besucht und nicht nur aufgrund seines Kleinwagens sofort auffällt. Denn wenn alle so tun als ob, ist man schnell der einzige, der keinen Hut auf hat. Das hat dieser Text mit dem Interview von Katharina Stooß gemeinsam: Es geht vielleicht nicht alles mit rechten Dingen zu, aber die schnöde „Wirklichkeit“ macht manchmal einfach deutlich weniger Spaß als die vorgetäuschte.

Außer jene Wirklichkeit offenbart sich – etwa durch die Pfeife eines ehemaligen Systemadministrators – mit einem Mal als aufregender, als sie sämtliche Blockbuster-Autoren hätten konstruieren können, worüber dann allerorten geschrieben wird, so auch bei uns. Um dieser Geschichte aber etwas gänzlich Neues abzugewinnen, hat Danilo Scholz in seinem Essay unter anderem auf eine Instanz zurückgegriffen, die zuständig ist für besonders knifflige Realitätsfragen: Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Das Konzeptuelle Schreiben geht solchen Fragen gleich ganz aus dem Weg. Wie vielfältig und unterhaltsam literarische Ansätze sein können, die sich lieber einer spielerischen Idee als einem Wahrheitsanspruch unterordnen, kann man im Dossier dieser Ausgabe nachlesen.

Ebenfalls nachzulesen sind die drei Siegertexte des Edit Essaypreises 2013, die unsere Jury aus 470 Einsendungen ausgewählt hat. Und weil das Ganze so schön war, wird der Essaypreis auch im kommenden Jahr wiederholt.

Sonst noch was? Ach ja, die Edit existiert jetzt seit exakt 20 Jahren.

Lassen Sie sich nicht enttäuschen.

Jörn Dege & Mathias Zeiske

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