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Edit 56

128 Seiten, Sommer 2011

Inhalt






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Guillaume Paoli

Gesamtkunstwerk Gaddafi
(Auszug)

Prolog – Im Jahr 1986 besetzten Punks die libysche Botschaft in London. Das prächtige Haus am Hyde Park stand seit zwei Jahren leer, nachdem von dort aus eine englische Polizistin erschossen worden war und die diplomatischen Beziehungen abgebrochen wurden. Die schlauen Besetzer nutzten den Umstand, dass die Immobilie weiterhin einen exterritorialen Status besaß und folglich von der britischen Polizei ohne offizielle Genehmigung Libyens nicht betreten werden durfte. Als die Besetzer dann in Tripolis anriefen, wurden sie herzlich beglückwünscht, man freute sich ja, dem Vereinigten Königreich ein weiteres Ärgernis zu bereiten. So durfte monatelang ein skurriles Happening stattfinden, in einem gemischten Ambiente aus Londoner Subkultur und arabisch-revolutionärem Kitsch. Dort, zwischen zwei heißen Partys, wurde ich auf Gaddafis „Grünes Buch“, das kistenweise herumlag, aufmerksam.

Theatraliät – Fast in jedem Bericht über Gaddafi werden Metaphern aus dem Theater bemüht. Das hängt primär mit seiner äußeren Erscheinungsform zusammen: mit den (möglicherweise selbstironischen) operettenhaften Uniformen und sonstigen Kleidungsstücken, die aus dem Requisitenfundus hergeholt scheinen, auch mit seinen unberechenbaren Auftritten, seiner sexy Leibgarde, die wie ein Frauenchor regelmäßig seine Monologe mit Losungen unterbricht. Offensichtlich hat Gaddafi Spaß an der Selbstinszenierung. Laut WikiLeaks beschreibt ihn der ehemalige US-Botschafter als „sprunghafte und exzentrische Figur, die unter schwerwiegenden Zwängen leidet, den Flamenco-Tanz sowie Pferderennen liebt, sich von Marotten leiten lässt und Freunde wie Feinde gleichermaßen aus der Fassung zu bringen pflegt“. Doch ist er nicht nur ein launiger Komödiant, sondern auch eine dramatische Gestalt irgendwo zwischen König Ubu und Macbeth (was nicht als verklärendes Lob verstanden werden sollte, schließlich sind die meisten Tragödienhelden keine erbaulichen Figuren). Im Übrigen hat auch das Theater spätestens seit „Gaddafi rockt“ von Oliver Czeslik das Potential des Charakters entdeckt. Aber das Verhältnis zwischen Gaddafi und dem Drama geht noch tiefer. Weit davon entfernt, ein rückständiger Exot zu sein, hat der Mann aus Tripolis die Theatralisierung der Politik auf die Spitze getrieben, was wiederum die alte Frage der Politisierung des Theaters in ein neues Licht stellt.

Werktreues Debüt – Muammar al-Gaddafi ist so alt wie Mick Jagger, beide haben ihre Karriere als revolutionäre Ikone angefangen und sie als unausstehliche Altdiva ewig andauern lassen. Auf ihre alten Tage wurde gar eine gewisse physische Ähnlichkeit auffällig, noch dadurch verstärkt, dass sie die gleichen Sonnenbrillen tragen. Überdies heißt ein Spätwerk des Libyers „Escape to hell“, möglicherweise eine Reminiszenz an „Sympathy for the devil“. Doch als Gaddafi sein viel beachtetes Debüt lieferte, hatte Jaggers Band bereits das Beste von sich gegeben – gerade war Brian Jones im Swimmingpool ertrunken. Über Nacht wurde der damals gut aussehende 27-jährige Beduine weltberühmt, als er die Rolle seines Jugendhelden Gamaal Abdel Nasser blendend nachspielte. Ein gelungenes Remake: Wie sein Vorbild setzt er sich an die Spitze eines „Bund der freien Offiziere“, schasst den alten König und erklärt die Ankunft der sozialistischen Revolution. Die Aufnahmen von damals zeigen, wie der massiv umjubelte Putschist seine Restschüchternheit hinter einem ständigen Lachen verbirgt. Ehe er im darauf folgenden Jahr starb, erklärte Nasser, sein junger Nacheiferer würde die Vision verwirklichen, an der er selbst gescheitert war: die Vereinigung der gesamten arabischen Nation über alle bestehenden Landesgrenzen. Dieses ehrgeizige Ziel nahm sich Gaddafi zu Herzen. Als er später selbst daran scheiterte, versuchte er ebenfalls vergeblich, die „Vereinigten Staaten von Afrika“ auszurufen. Übrigens geben sogar seine erbittertsten Gegner zu, dass die Anfänge seiner Ära für Libyen trotz Unterdrückung der politischen Opposition eine Zeit des Aufschwungs waren, es fand eine tatsächliche Umverteilung statt, für die libyschen Verhältnisse war die Stellung der Frauen fortschrittlich. Doch war die Aufgabe, seinem Vorbild treu zu sein, eine Herausforderung. Da Nasser seine Rolle selbst entwickelt hatte, wäre dessen bloße Imitation ein Verrat gewesen. Der Libyer musste seinen eigenen Charakter kreieren, dafür einen Schritt weiter in die Extreme gehen. Diese Triebfeder mag seinen exotischen Auftritt auf der Weltbühne erklären.

Der einzige Staatsmann der Welt, der offensichtlich verrückt ist – So lautet jetzt das einstimmige Urteil der Weltöffentlichkeit über Gaddafi, wobei der Akzent auf „offensichtlich“ gesetzt werden sollte. Über den geistigen Zustand der politischen Eliten weltweit und ungeachtet des Regierungssystems wären einige Fragen berechtigt. Wie viel Größenwahn steckt in der „Durchsetzungsfähigkeit“, die nötig ist, um an die Spitze eines Landes zu gelangen? Wie viel Rücksichtslosigkeit, um die Konkurrenz zu beseitigen? Wie viel Selbstverleugnung, um die „bedauernswerte Kluft zwischen Ideal und Realpolitik“ auszuhalten? Wie viel Verachtung, um täglich tausende Hände mit einem Lächeln zu schütteln? Wie viel Realitätsferne, um die konkreten Sorgen der Menschen systematisch zu ignorieren? Ein Psychogramm des Homo politicus würde wenig ruhmreiche Charaktereigenschaften zu Tage bringen. Vielleicht besteht der Vorteil westlicher Demokratien einzig darin, dass sie ihren Regierenden nicht die Zeit lassen, die entwickelten Stadien ihres Wahns zu manifestieren. Was Diktatoren betrifft: Es ist anzumerken, dass weder Ben Ali noch Mubarak für wahnsinnig gehalten werden. Da weiß man wohl, weshalb sie an der Macht festhielten: Take the money and run. Sobald die regelrechte Plünderung des Landes nicht mehr möglich war, traten sie zurück, um ihren Reichtum in Ruhe zu genießen. Diese Motivation ist für westliche Politiker durchaus verständlich, die ihre Amtsperiode als Vorstufe der Bereicherung managen. Wir leben ja in einer Welt, die Gier als Kern der Rationalität erklärt. Wenn Geld das Tatmotiv ist, ist ein Mord noch nicht vergeben, doch immerhin nachvollziehbar. Wahnsinn wird dann diagnostiziert, wenn kein Geldinteresse feststellbar ist. Obwohl er genug Vermögen ergattert hatte, ist Gaddafi nicht diskret abgehauen, sondern scheint bereit, seine Rolle bis zum Tode spielen zu wollen. Das ist doch das Verrückte in den Augen aller Nihilisten, die sich nicht vorstellen können, für etwas anderes als das eigene Bankkonto kämpfen zu können. Gerade interessant an Gaddafi ist, dass er ein überflüssiges Drama entwickelte. Für die normale Usurpation hätte er es nicht nötig gehabt.

Der grüne Stoff – Sehen wir kurz von dem Kontext ab, um nur den Text zu betrachten. Mit minimalen Veränderungen hätte „Das Grüne Buch“ heute noch seinen Platz in jeder linken oder (deutsch)grünen Buchhandlung. Es enthält alle Elemente, um radikale Staatskritiker und Anhänger des „dritten Wegs“ zu begeistern. Der Gedankenrahmen schwebt zwischen zwei vertrauten Polen: der Rousseau’schen Beschwörung eines „Naturzustands“, als es noch keine Ausbeutung und kein Eigentum gab (hier das nomadische Leben in der Wüste), und zugleich der Vervollkommnung der modernen Zivilisation, welche eine Beseitigung „überholter“ Gesellschaftsstrukturen voraussetzt. Die Vorstellung ist universalistisch, sie gibt keiner Nation, Klasse oder Kultur den Vorrang. Die Gleichberechtigung der Frauen und Minderheiten wird hervorgehoben. Die politische Auffassung erinnert an die der Rätekommunisten von 1918: Abschaffung der Parteien und Parlamente, Einführung der direkten Demokratie auf allen Ebenen. Die ganze Macht wird von den Volkskomitees ausgeübt, das Gewaltmonopol durch die Volksbewaffnung ersetzt. Ökonomisch wird die „Lohnsklaverei“ zugunsten der freien Assoziation freier Produzenten abgeschafft. Hier wird nicht wie bei Lenin oder Mao die (vorübergehende) Notwendigkeit des omnipotenten Staates behauptet, sondern dessen absolute Abwesenheit. Es ist die alte anarcho-kommunistische Utopie, wie sie in allen revolutionären Bewegungen des 20. Jahrhunderts mit Gewalt unterdrückt wurde. Ob diese machbar und gar wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt, immerhin findet sich in ihr keine Rechtfertigung von Terror und Diktatur. Alles Frieden, Freude und Basisdemokratie. Das ist schon für ein Staatsprogramm sonderbar, sonderbarer noch die Behauptung, die Utopie sei bereits Realität.

Im Jahr des Punk 1977 inszeniert Gaddafi die Ankunft der Jamahiriya (Anarchy in Libya). „Das Grüne Buch“ wird sofort umgesetzt, die Macht an das libysche Volk komplett übergeben. Gaddafi selbst verzichtet auf sämtliche politischen Funktionen, um nur noch als „Symbol“ bzw. „Revolutionsführer“ zu fungieren (daher sagt er jetzt, er könne nicht zurücktreten, nominell habe er ja keine Macht). Wo ein gewöhnlicher Diktator sich zum Marschall oder Kaiser aufbläst, rühmt sich der Oberst der Selbstauflösung ins Volk. Von nun an setzt ein wahrer schizophrener Zustand im Land ein. Selbstverständlich fand keine Revolution statt, sondern ein (wenn auch weitgehend unblutiger) Militärputsch. Intakt bleibt der Staatsapparat inklusive Gefängnissen, Polizei, Armee, sowie die zentrale Verwaltung der Ressourcen. Es ist der Antistaatsstaat. Eine solche Dissoziation der Ideologie und der Wirklichkeit kann nur durch eine permanente Inszenierung fortbestehen. Das war im Faschismus nicht anders. Walter Benjamin erklärte den Erfolg Hitlers mit der „Ästhetisierung der Politik“, die ihm erlaubte, die Gewalt über die Massen zu behalten. Doch gibt es einen wesentlichen Unterschied. In Libyen wurden die Massen nicht durch die Zurschaustellung des Staates, sondern durch seine organisierte Unsichtbarkeit glorifiziert.

Staatssituationismus –„Das Grüne Buch“ zeichnet sich vor antiquierten Machtergreifungsfibeln dadurch aus, dass es sich nicht nur auf Politik und Wirtschaft konzentriert. Im dritten Teil wird eine fundamentale Kulturkritik erläutert, die durchaus auf der Höhe ihrer Zeit ist, eine Kritik der Trennung zwischen Akteuren und Zuschauern, wie sie archetypisch in Theatern herrscht:

„Menschen, die kein heroisches Leben führen können, Menschen, die von der Geschichte nichts wissen und der Zukunft nicht entgegensehen, Menschen, die die eigene Existenz nicht ernst genug nehmen, solche Menschen sitzen in Theater- und Kinosälen, um Ereignisse zu beschauen in der Hoffnung, daraus etwas lernen zu können. Sie sind wie noch unwissende Schulkinder im Klassenzimmer. Wer ein wirklich selbstbestimmtes Leben führt, der hat kein Bedürfnis, zuzuschauen, wie Schauspieler auf Bühnen oder Leinwänden das Leben vorführen. So wenig hat der Reiter, der den Zügel des eigenen Pferdes hält, das Bedürfnis, auf Pferderennbahntribünen zu sitzen. Hätte jeder Mensch ein Pferd, würde keiner zuschauen und klatschen. Sitzende Zuschauer sind einfach zu hilflos, um selbst aktiv werden zu können. Man geht auch nicht in ein Restaurant, einfach um Essende zu beschauen. Beduinen haben kein Interesse an Theater oder Shows, dafür sind sie zu ernst und arbeitsam. Weil sie das Leben ernst nehmen, verpönen sie die Schauspielerei. Sie sind keine Zuschauer, sie spielen selbst und nehmen an fröhlichen Festen teil, weil sie die natürliche Notwendigkeit solcher spontanen Aktivitäten anerkennen.“

Das erinnert stark an ein Kultbuch der 68er Generation, Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“, in dem behauptet wird: „Alles, was unmittelbar erlebt wurde, hat sich in einer Repräsentation entfernt“ – da spielt Debord auf die Polysemie des Wortes „Repräsentation“ an, das auf Französisch sowohl (politische) Vertretung als auch (Theater-) Vorstellung und (künstlerische) Abbildung bedeutet. Parlamentarische Demokratie, Konsumgesellschaft, entfremdete Arbeit, das sind bloß Phänomene. Grundlegend ist das allgemeine passive Verhältnis, das die Zuschauer von der Macht über das eigene Leben trennt. Diese Kritik der Entfremdung stammt aus den künstlerischen Avantgarden. Demnach geht es nicht nur darum, die Politik demokratischer und die Arbeit gerechter zu gestalten. Das Leben soll zum Kunstwerk und jeder Mensch zum Künstler werden. Es gibt nur ein revolutionäres Ziel: die Selbstabschaffung des Zuschauers. Wie im Theater die „vierte Wand“ müssen alle Trennungen zwischen spezialisierten Bereichen, alle institutionellen Vermittlungen abgerissen werden, um an das unmittelbare Leben kommen zu können.

(…)


Guillaume Paoli, geboren 1959, lebt seit 1992 in Berlin. Er ist Mitbegründer der Gruppierung Die glücklichen Arbeitslosen und veröffentlichte mehrere Bücher und Essays, als Herausgeber z.B. das Sachbuch “Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche” (Edition Tiamat, 2002). Seit 2008 ist er Hausphilosoph am Leipziger Centraltheater, wo er die Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck leitet.

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Editorial Edit 56


Der Sachtext als künstlerische Form hat es nicht einfach im deutschsprachigen Raum. Dass sich trotz akademischer Nörgelei, feuilletonistischer Ignoranz und literaturbetrieblicher Untauglichkeit einige Essayisten ihren komplizierten Spaß nicht verderben lassen, darauf will auch diese Ausgabe Hinweis geben: Isabelle Lehn lauscht in einem personal essay den falschen Namen einer Fremdheit, die sich nicht verorten lässt. Guillaume Paoli versteht den Fall Gaddafi als absolutes Theater der Grausamkeit mit echtem Blut und vor verwinkelten Kulissen. Im Text von Sylvia Geist reichern sich die Wörter mit Fakten an, bis sie eine kritische Masse erreichen und über ihre Bedeutung hinausstrahlen.

Besonders froh sind wir über den Text von Eliot Weinberger. Weinberger sagte einmal über das literarische Potential des Essays, es sei „unbegrenzt“ – und er, der alle seine Spielarten beherrscht, muss es wissen. Seine brillante Prosa führte ihn und seine Leser bereits an die unterschiedlichsten Orte. Wie schön, dass er nun auf unsere Einladung hin nach Leipzig kommt: Am 27. September liest er im Leipziger Literaturhaus, zusammen mit seinem prominenten Leser Ingo Schulze.

Daneben hält diese Ausgabe natürlich auch Prosa bereit: Christina Maria Landerl entfaltet in „Verlass die Stadt“ ein Kraftfeld zwischen An- und Abwesenheit im hochsommerlichen Wien, Julia Veihelmann gibt die waghalsige Liebschaft von „Peter und Molly“ zu Protokoll und Lena Reinhold führt in „Das Rosa Zimmer“ vor, wie viel Vergänglichkeit durch Gleichzeitigkeit erzeugt werden kann.

Neu ist die Rubrik Vier Gedichte, eine Doppelseite mit: vier Gedichten. Und zwar von vier unterschiedlichen Autoren. Dieses lyrische Spielfeld soll damit, jenseits personalisierter Lesarten, offen sein für Sinnbezüge und Korrespondenzen zwischen dem, was Gedichte zunächst einmal sind: Einzelwerke.

Dass ein Aussetzen der Publikation nicht unbedingt zu einem Stocken in der Produktion führen muss, bezeugen die Gedichte von Renate Rasp. Rasp, die 1978 ihren letzten Gedichtband publizierte, lässt in ihren neuen Texten eine konsequente poetologische Weiterentwicklung erkennen, deren Wiederentdeckung staunen lässt.

Nicht verworfen, sondern konsequent weiterentwickelt – das trifft auch auf unsere Gestaltung zu. David Voss hat ganze Arbeit geleistet und das Ergebnis sieht nicht nur gut aus, es ist auch wie für den Strand gemacht. Bleibt die Hoffnung auf einen sommerlichen Sommer.

Die Redaktion

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