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Edit 64

108 Seiten, Frühjahr 2014

 

 

Zu diesem Heft

Ein Text, der gleichermaßen öffentlich und privat ist. Literarische Kraft in Form einer Stellenausschreibung. Kritik an den Verhältnissen mit den Mitteln der Selbstironie. Der Blick in eine Halle, die von der Umwelt abgeschottet ist, aber gleichsam viel über diese Umwelt erzählt. Gibt es das? Alles in einem Text? „Saisonarbeit“, Heike Geißlers Essay über ihre Zeit bei Amazon, ist ein literarischer Glücksfall – politisch, kunstvoll und witzig. Außerdem dokumentiert er, dass die Durchlässigkeit des Literaturbetriebs mitunter dazu führt, dass man plötzlich für 7 Euro die Stunde Badesalz verpackt.

 

In diesem Heft geht es im Übrigen an vielen Stellen politisch zu. Isabelle Sbrissa etwa macht sich den Jargon wirtschaftsliberaler Sprachnebel literarisch zunutze, formt Buchstabenprodukte und zeigt, wie viel verbindlicher als jeder Freundschaftsvertrag die Sprache der Ökonomie ist. Andererseits scheint es den Menschen seit jeher wichtig gewesen zu sein, sich durch absurde Zuschreibungen von ihren Nachbarn abzugrenzen. Einen Hinweis darauf gibt Eliot Weinbergers lyrischer Essay am Schluss des Heftes, der nichts Geringeres tut, als das Weltwissen zwei Jahrhunderte vor unserer Zeit zu inventarisieren. 

 

Manchmal reicht es allerdings schon, wenige Jahrzehnte zurückzugehen, um über Grabenkämpfe lachen zu können. Sascha Macht führt Protokoll beim „Geheimkongress des Schriftstellerverbandes der DDR im Dezember 1989“, der ein letztes Manifest wagt, bevor alles in einer Orgie endet. Fiktion gegen das Vergessen. Wer da behauptet, dass eine Idee per se nicht imstande sei zu verschwinden, wird korrigiert: „Es sei denn, derjenige, der sie denkt, stirbt, bevor er sie ausspricht.“




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