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Edit 61

128 Seiten, Frühling 2013, nicht mehr lieferbar

 




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Editorial Edit 61

 

„Meine eigentliche literarische Ausdrucksform“, so Alexander Kluge 2008 in der Neuen Rundschau, „ist die des Kommentars – denn Kommentare neigen dazu, Konstellationen zu bilden und Geschichten stets in Beziehung und nicht isoliert zu begreifen: Eine Geschichte geht mit großer emotionaler Vehemenz in eine Richtung und die nächste in eine andere. Betrachtet man den Kosmos, stellt man fest, daß dies die selbstverständliche Form ist, in der sich etwas bewegt.“

Diese Beschreibung kommt uns vom Entstehungsprozess einer Ausgabe bekannt vor. Zumindest ist es stets eine offene Frage, wie die einzelnen Beiträge miteinander umgehen und inwiefern die Hoffnung auf wechselseitige Attraktion berechtigt ist. Dass uns Kluge selbst für diese Ausgabe einige unveröffentlichte „Minutengeschichten“ zur Verfügung gestellt hat, beantwortet die Frage natürlich nicht – freut uns aber trotzdem. Seine Texte zeigen, wie produktiv es sein kann, ein zentrales Geschehen nicht direkt anzugehen, sondern mithilfe kleiner, peripherer Geschichten zu umkreisen.

Ein weiteres Zentrum dieser Ausgabe, das sich im Nachhinein ergab, ist die Albernheit bzw. die Frage, welche literarischen Funken sich in der künstlichen Abwesenheit von Ernst schlagen lassen. „Es ist nicht ausgeschlossen“, schreibt Monika Rinck in ihrem Essay, „dass das Neue, um ans zu Licht zu kommen, einen dunklen Korridor der Dummheit durchqueren muss.“ Wie fröhlich es in so einem Korridor zugehen kann und welche Energie dieser Wandlungsprozess mitunter freisetzt, lässt sich gleich an diesem Text nachempfinden.

Oder auch an den „Dummkopfelegien“, verfasst von Norbert Lange bzw. von einem „Dummdiechter“, der zwar bei Rilkes „Duineser Elegien“ ansetzt, dann aber jeder poetischen Ablenkung „nachsteigt“, sich von Affekten und einem „sich selbst grätschenden Stil“ laufend aus der Bahn, aber keineswegs aus der kosmisch komischen Ordnung werfen lässt.

Dirk von Lowtzow beschwört dagegen in seinem „Cartoon Coral“ ein Leben „in den Falten alter Welten“, in denen man sich als Zeichentrickgestalt getrost der unendlichen Angst ausliefern kann. „Der Einstieg“, so heißt es am Schluss, ist „der eigene Körper“ – und wer wissen möchte, wie diese Einsicht die Welt, wie wir sie kennen, grundsätzlich verändern könnte, der sollte Thilo Sarrazin in Wolfram Lotz’ gleichnamigen Monolog dabei zuhören, wie er gewissermaßen in der menschlichen Peripherie das eigentliche Lustzentrum entdeckt.

Das Potenzial des Peripheren (für Edit-Redakteure eine Art Grundhoffnung) bringt uns zurück zu Kluge und seinem Diktum: „Erlöst dieTatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit“ Nicht zuletzt an seinen Arbeiten zeigt sich, dass nichts besser dafür geeignet ist als der literarische Essay. Auch deshalb wollen wir den Edit Essaypreis aus dem Vorjahr wiederholen, diesmal in Kooperation mit dem Nachtstudio des Bayerischen Rundfunks (Bayern 2).Weitere Tatsachen hierzu stehen auf Seite 114 und unter www.essaypreis.de

Jörn Dege und Mathias Zeiske

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