Alle Ausgaben

Die Ausgaben 1 bis 74 auf einen Blick.

Hier können Sie alle lieferbaren Ausgaben bestellen.

Das Adressformular befindet sich am unteren Ende der Seite.

 

Edit 1 bis 70: 5 Euro (zzgl. Versandkosten)

Ab Edit 71: 7 Euro (zzgl. Versandkosten)

Edit 71vergriffen
Edit 70vergriffen
Edit 69vergriffen
Edit 67vergriffen
Edit 66Edit 66vergriffen
Edit 65vergriffen

Edit 62vergriffen

Edit 61vergriffen

Edit 60vergriffen
Edit 58vergriffen

Edit 53

Edit 53vergriffen

Edit 52vergriffen

Edit 50

Edit 50vergriffen

Edit 44-Svergriffen

Edit 42vergriffen

Edit 40vergriffen

Edit 39vergriffen

Edit 38

Edit 38vergriffen

Edit 37

Edit 37vergriffen

Edit 34vergriffen

Edit 28

Edit 28vergriffen

Edit 27

Edit 27vergriffen

Edit 26

Edit 26vergriffen

Edit 25

Edit 25vergriffen

Edit 24

Edit 24vergriffen

Edit 23

Edit 23vergriffen

Edit 20

Edit 20vergriffen
Edit 17vergriffen

Edit 13vergriffen
Edit 9vergriffen

Edit 8vergriffen

Edit 7vergriffen

Edit 6vergriffen

Edit 5vergriffen

Edit 4vergriffen

Edit 3vergriffen

Edit 2vergriffen

Edit 1

Edit 1vergriffen
 
Wir versenden die Hefte als Büchersendung. Dabei fallen innerhalb von Deutschland 1,00 Euro (1 Heft) bzw. 1,65 Euro (2-3 Hefte) Porto- und Verpackungskosten an. Eine Sendung ins Ausland kostet 3,00 Euro. Die Rechnung legen wir bei. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es unter Umständen etwas dauern kann, bis die Hefte bei Ihnen eintreffen.   Sollten Rechnungs- und Lieferadresse nicht übereinstimmen, nutzen Sie bitte das Feld Nachricht, um uns die Lieferadresse mitzuteilen.    
Hefte *
Name, Vorname *
E-Mail-Adresse *
Straße, Nr. *
PLZ *
Ort *
Land *
Nachricht
Newsletter
Sicherheitscode * captcha
 

Edit 58

128 Seiten, Frühling 2012

 

Die Frühlingsausgabe 2012 mit der Nummer 58 – im März erschienen und thematisch bunt geraten: Es geht um den Perserkönig Xerxes, industriell hergestellte Seifenopern, sich selbst zerlegende Körper, Flughäfen als Wanderziele, dubiose Landhotels, Sprachverlust und kontrafaktische Geschichtsdarstellung. Gemeinsam ist den Texten eine Lust am Erzählen, ein Schwanken zwischen Wahrheit, Wahn und Witz, eine Freude am literarischen Wagnis.

 

  • Editorial Lesen
  • Tilmann Strasser – Hasenmeister
  • Uljana Wolf – Method Acting mit Anna O
  • Dorothee Elmiger – Xerxes
    w/ Julius von Bismarck – Punishment
  • Sascha Kokot – Gedichte
  • Ellen Wesemüller – Über alle Maßen
  • Simone Kornappel – ziegenproblem
  • Tom Schulz – Gedichte
  • Sascha Macht – Die Begleiter Lesen
  • Alexander Langer – Schlecht
  • Judith Zander & Ann Cotten – Gegenteile
  • Matthias Jügler – Adem gelingt es nicht, sich mit Kayra zu versöhnen, und muss zur Kenntnis nehmen, dass ihre Beziehung gefährdet ist
  • Aleks Scholz – Dublin DUB

 

  • Hannes Becker – Den Tatsachen zum Trotz
    Zu Christian Krachts “Imperium”
  • Andreas Martin Widmann – Wie Lenin den Fall der Berliner Mauer verhinderte. Über kontrafaktische Geschichtsdarstellung

  • Bildteil: Robert Seidel

 

  • Redaktion: Jörn Dege, Mathias Zeiske
  • Redaktionelle Mitarbeit: Kerstin Preiwuß,
    Daniel Graf, Wolfram Lotz



zur Heftbestellung
nach oben

Edit 58

Editorial

„Gefällt Ihnen nicht, was ich vorlese?“, unterbrach sich Sophie Rois neulich angesichts einiger Unmutsbekundungen aus dem Publikum im Leipziger Gewandhaus – allerdings ohne damit zur Beruhigung beizutragen. Gelesen wurde (zwischen Orchesterstücken von Strauss und Berlioz) der hier abgedruckte Text „Die Begleiter“ von Sascha Macht.

Was genau an diesem poetischen Gedankenbericht eines zwischen Wahn und Wahnwitz schwankenden Einzelgängers solchen Unmut erregte, darüber lässt sich nur mutmaßen. Fest steht: Es ist eine Erzählung, der man die Lust am Erzählen anmerkt. Fiktion aus Überzeugung gewissermaßen. Eine Haltung, die sich auch bei Alexander Langers Text „Schlecht“ wiederfindet, der mit rückhaltloser Freude auf ein Unglück zusteuert, das sich schräger kaum inszenieren lässt.

Wie hätte das Gewandhauspublikum wohl auf Ellen Wesemüllers „Über alle Maßen“ reagiert – ein Text, in dem sich die Protagonistin nicht nur in den eigenen Wahnvorstellungen, sondern ganz konkret körperlich zerlegt? Oder auf Dorothee Elmigers „Xerxes“, worin eine zerlegte Welt in poetischen Listen neu zusammengefügt wird? Keine Ahnung. Wir sind jedenfalls froh, solche lustvoll erzählten Wagnisse hier drucken zu können.

Auch Christian Kracht gilt als einer, der diese Art Wagnis gerne eingeht, was mitunter gewisse Kritiker zu überfordern scheint. Um nicht alles der klassischen Literaturkritik zu überlassen, drucken wir hier, neben einer „Imperium“-Rezension von Hannes Becker, einen Essay von Andreas MartinWidmann über kontrafaktische Romane, die Geschichtsfälschung betreiben und das aus guten Gründen.

Stichwort Essay: Ganz unkontrafaktisch wird am 15. März in der Langen Leipziger Lesenacht der Edit Essaypreis als erster seinerArt verliehen. Direkte Folge dieses Preises ist, dass wir derzeit so viele wunderbare Essays haben wie nie zuvor – ein Umstand der sich in den kommenden Ausgaben niederschlagen wird. Versprochen.

Stichwort kommende Ausgaben: Kerstin Preiwuß wird unsere Redaktion leider verlassen, um mehr Zeit für ihre literarischen Arbeiten (soeben ist ihr Gedichtband „Rede“ in der edition suhrkamp erschienen) und ihre Familie zu haben. Wir danken ihr an dieser Stelle für zwei sehr schöne Edit-Jahre und hoffen, in Zukunft nicht völlig auf ihre Ideen und ihr literarisches Gespür verzichten zu müssen.

Doch zunächst viel Vergnügen mit dieser Frühjahrsausgabe – ob faktisch, kontrafaktisch oder fiktional.

Jörn Dege & Mathias Zeiske

nach oben

Sascha Macht

Die Begleiter (Auszug)

Vor wenigen Monaten, nämlich in der Zeit zwischen den Jahren, jene Tage, in denen die Weihnachtsfeiertage ihr Ende finden und man sich bereits auf das Silvesterfest vorbereitet (Tage, in denen die Furcht in meinem Herzen überhandnimmt), stieß ich durch Zufall auf den alten Periander, das heißt, ich betrat wie von Sinnen eine Bibliothek (obwohl ich eigentlich woandershin wollte), steuerte auf das erstbeste Bücherregal zu, das mir ins Auge fiel, zog das erstbeste Buch heraus, das mir ins Auge fiel, und in diesem Buch las ich von Periander, dem zweiten Tyrann von Korinth, der es mit dem Leichnam seiner Frau getrieben, Bordellbesitzer ins Meer geworfen und einmal, als er zur Mittagsstunde durch den Hain der Artemis schritt, fest daran geglaubt hatte, auf zahllosen Schlangen zu gehen, deren Häute gefärbt waren in allen Farben dieser Erde.

Als ich zurück auf die Straße trat, hatte der Himmel über der Stadt eine Farbe angenommen, die zu beschreiben nicht der Rede wert ist. Ich verbrachte den Neujahrswechsel wie ein Halunke, trieb mich für einige Stunden in meinem Viertel herum, drang in die leeren Wohnungen meiner wenigen Freunde ein und stahl fast ihre gesamten Lebensmittel und einige ihrer Pflegeprodukte, sprang hinter einer Litfaßsäule hervor und erschreckte eine Gruppe Kinder, träumte um dreiundzwanzig Uhr zweiundzwanzig davon, um null Uhr eins eine Frau zu küssen oder einen Mann, briet mir ein Ei auf, zerschlug mit der flachen Hand eine Fliege auf dem Fernsehbildschirm (eine zähe, furchtlose Fliege des Winters, deren Überleben bis zum Frühling gefährliche Auswirkungen auf das Leben aller Menschen dieser Stadt gehabt hätte), spuckte auf den Teppich, als das neue Jahr begann, und las in einem Buch den Namen Phalaris von Akragas, und ich las mit wachsendem Entsetzen, dass sich jener Phalaris, Tyrann auf Sizilien, von dem Künstler Perilles einen gigantischen Stier aus Bronze hatte bauen lassen, in dem der Phalaris schließlich seine Feinde zu rösten pflegte, ich las also (während sich der Blick mir trübte und in den Ecken meiner Wohnung winzige Schatten wimmelten), dass der Künstler Perilles einen Ofen gebaut hatte in Form eines Stieres, ein grausames Folterinstrument, aus dem die Schmerzensschreie der Gerösteten wie Stiergebrüll hervordrangen, ein Umstand, der dem Künstler Perilles vielleicht schon bei der Planung der Konstruktion bewusst gewesen war oder allerspätestens bewusst wurde, als Phalaris ihn als Ersten ins Innere des Stieres sperren ließ.

‚Auwei‘, dachte ich (ich hätte es auch sagen können, aber ich dachte es nur) und stellte mich auf meinen Balkon. Raketen explodierten in der Nacht, Betrunkene johlten, Flugzeuge oder Satelliten oder Sterne waren keine zu sehen, der Wind huschte über den schmutzigen Schnee wie ein flüchtendes Gespenst, und ich war der festen Ansicht, dass sich in den Wolken etwas Unheimliches zusammenbraute.

Der Januar verlief schmerzhaft, aber erträglich. Ich versuchte, meine Freunde auf ihren Handys zu erreichen, doch sie nahmen nicht ab. Vor einem Kaufhaus in der Innenstadt stürzte ein alter Mann zu Boden und starb so schnell, dass ihm niemand mehr zu Hilfe kommen konnte. Im Fernsehen diskutierte eine vierköpfige Gruppe von Leuten darüber, ob das Ende der Zeit nur Leben und Sterben des Menschen beträfe oder überhaupt alles Leben und Sterben auf der Erde, also auch das Leben und Sterben der Tiere, der Pflanzen, der Flüsse, des Windes, der Gebirge, der Bodenschätze und der Atmosphäre. Ich verstand nicht viel von dem, was sie sagten, doch als ich mich vor den Fernseher kniete, um das Gesicht jedes Gesprächsteilnehmers sehr genau zu betrachten (ein grünes Gesicht, ein graues Gesicht, ein schutzloses Gesicht und ein Gesicht mit glänzenden Wangen), da erblickte ich in den Augen der einen Furcht, in den Augen der anderen Zuversicht; eine trockene Enttäuschung breitete sich in mir aus, also schaltete ich schnell das Fernsehgerät ab und beschloss, es nicht wieder, nie wieder!, einzuschalten. Kurz darauf fesselte der ruhmreiche Numir Khan zwanzig Verräter an eine Herde verrückt gewordener Pferde und ließ sie tagelang durch sein riesiges Steppenreich galoppieren, bis niemand von ihnen mehr übrig war, weder Pferde noch Verräter. Das Geflüster in den Zwischenwänden, auf der Straße und oben im Himmel wühlte mich zunehmend auf, auch wenn ich mir nichts anmerken ließ beim Blick aus dem Fenster.

(…)


Sascha Macht, 1986 in Frankfurt (Oder) geboren, studiert seit 2007 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Mitglied des Autorenkollektivs „Vereinigung 1. Februar“. Veröffentlichungen von Prosa, Lyrik und Dramatik in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften (u.a. Edit, Tippgemeinschaft und Neue Rundschau), außerdem Beiträge auf dem Blog Der untergehende Fisch. 2011 wurde er zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und war Stipendiat des Künstlerhauses Lukas, Ahrenshoop. Er lebt in Leipzig.

nach oben