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Edit 65

112 Seiten, Sommer 2014

 

 

 

Zu diesem Heft

Was zum Entstehungsprozess einer Ausgabe gehört: Egal, wie verschieden die einzelnen Beiträge inhaltlich und ästhetisch angelegt sind, im Nachhinein ergeben sich ungeahnte Verbindungslinien – diesmal etwa in der Frage der Verortung. Denn bei einem Großteil der Bild- und Textbeiträge spielen konkrete Orte eine wichtige Rolle und stellen so Referenzen her, auch wenn diese Orte zum Teil weit voneinander entfernt liegen.

 

In der Erzählung „Muammars letzter Tag“ folgen wir Maruan Paschen in ein Libyen, das sich an der Schwelle zur Revolution von 2011 befindet. Dieses Libyen wird allerdings durch den palästinensisch-deutschen Erzähler, der am dortigen „Kröte-Institut“ Deutsch unterrichten soll, literarisch derart überformt, dass alles Mögliche stattfindet, nur kein ordentlicher Unterricht.

 

In Thomas Pletzingers Erzählung wirken die Ortsnamen wie ein verzweifelter Versuch, die Dynamik einer umfangreichen Familiengeschichte zumindest punktuell aufzuheben. Auf engstem Raum verdichtet eine Jüdin rückblickend eine gut hundertjährige Biographie zwischen Prag, Paris, Westfalen und den USA. Was dabei entsteht, ist eine Art Romanexposé als Kunstform, das umso lebendiger wird, je mehr es ums Vergessen, Verschwinden und Sterben geht.

 

In „Meine 80er“ lernen wir Wayne Koestenbaum als angehenden Dichter, Intellektuellen und als Boot kennen. Dabei dienen die eigene Homosexualität und New York als Gravitationspunkte für seine autobiographischen Miniaturen voller Konkretion, Namedropping und Selbstironie. In der Diagnose hinsichtlich Ort und Zeit geht er ebenso nostalgiefrei vor wie Jan Brandt, der in seinem „Berliner Journal“ häufig eben dieses Berlin zum Ausgangspunkt seiner Reflexionen macht, wobei durch Lektüreerfahrung, Träume und Selbstwahrnehmung überraschende Blickwinkel entstehen.

 

Unser Blog-Kolumnist Danilo Scholz hat sich dagegen gewohnt international umgeschaut. Diesmal geht es um das journalistisch aufbereitete Verhältnis von Fußball und Volkspsychologie. Das Ergebnis ist eine unterhaltsam sprunghafte Medienkritik gegen die Versuchung, aus Fussballphänomenen nationale Gemütszustände ablesen und festschreiben zu wollen.

 

Mit „Lieber A.“ von Inga Machel drucken wir außerdem den ersten Gewinnertext von New German Fiction, ein Wettbewerb, den wir gemeinsam mit Readux Books ins Leben gerufen haben. Es ist ein ebenso luzider wie beunruhigender Bericht eines Aufenthalts in einem Kinderkrankenhaus, in der Rückschau literarisch verzerrt und verdichtet. Der Text wurde aus 170 Einsendungen ausgewählt, zusammen mit Judith Kellers „Wo ist das letzte Haus?“, den wir in der nächsten Ausgabe drucken. Beide Texte erscheinen Ende Oktober jeweils als kleines Buch bei Readux in englischer Übersetzung.

 

Jörn Dege & Mathias Zeiske




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